Beispiele für die Behandlung von Ängsten

Angst kann sich auf sehr unterschiedliche Weise entwickeln. Bei einem Patienten steht eine konkrete Situation im Mittelpunkt, bei einem anderen die Angst vor dem eigenen Versagen, vor Kontrollverlust oder vor einer körperlichen Reaktion. Deshalb gibt es nicht die eine typische Angststörung und ebenso wenig eine Behandlung, die bei jedem Menschen nach demselben Schema abläuft.

Die folgenden Beispiele zeigen einige typische Situationen, mit denen Patienten eine Behandlung beginnen. Sie sollen vor allem deutlich machen, wie unterschiedlich Ängste entstehen, erlebt und aufrechterhalten werden können.

Prüfungsangst: Wenn vorhandenes Wissen plötzlich nicht mehr erreichbar ist

Ein Schüler, Student oder Teilnehmer einer beruflichen Prüfung kann fachlich gut vorbereitet sein und dennoch in der Prüfung erheblich unter seinen Möglichkeiten bleiben. Schon Tage vorher steigt die Anspannung. Während der Prüfung kommen Herzklopfen, Zittern oder innere Unruhe hinzu, und im entscheidenden Augenblick scheint das Gelernte plötzlich verschwunden zu sein.

In solchen Fällen besteht das eigentliche Problem nicht unbedingt im fehlenden Wissen. Die Prüfung selbst ist zu einem Auslöser einer starken inneren Alarmreaktion geworden. Besonders nach einem bereits erlebten Blackout kann zusätzlich die Angst entstehen, dass genau dieser Zustand erneut auftreten wird.

Prüfungsangst ist ein eigenes und umfangreiches Thema. Ausführliche Informationen zu ihren unterschiedlichen Formen und zur Behandlung finden sich auf pruefungsangst-besiegen.de.

Flugangst: Wenn der Weg zum Urlaub selbst zum Problem wird

Flugangst beginnt bei manchen Menschen nicht erst im Flugzeug. Schon die Buchung einer Reise kann Gedanken an Absturz, Turbulenzen, Enge oder Kontrollverlust auslösen. Je näher der Reisetermin rückt, desto stärker beschäftigt sich der Betroffene mit dem bevorstehenden Flug.

Dabei kann die eigentliche Angst sehr unterschiedlich aussehen. Der eine fürchtet einen technischen Unfall, der andere das Eingeschlossensein oder eine Panikattacke, aus der er nicht fliehen kann. Die genaue Behandlung richtet sich deshalb nicht nur gegen das Fliegen als solches, sondern gegen die persönlichen Vorstellungen, die damit verbunden sind.

Spinnen, Hunde und andere scheinbar kleine Auslöser

Bei einer Tierphobie kann bereits ein sehr kleiner Auslöser eine erstaunlich starke Reaktion hervorrufen. Eine Spinne an der Wand, ein freilaufender Hund oder das Geräusch einer Wespe genügt unter Umständen, damit der Körper innerhalb von Sekunden auf Flucht schaltet.

Für Außenstehende ist eine solche Reaktion manchmal schwer nachzuvollziehen. Für den Betroffenen selbst ist die Angst jedoch vollkommen real. Er weiß möglicherweise sehr genau, dass die tatsächliche Gefahr gering ist, kann diese Einsicht im entscheidenden Augenblick aber nicht in eine entsprechend ruhige Reaktion umsetzen.

Fahrstuhl, Tunnel oder Flugzeug: Angst davor, nicht wegzukönnen

Nicht immer ist der sichtbare Auslöser auch der eigentliche Kern der Angst. Ein Patient vermeidet beispielsweise Fahrstühle und bezeichnet sein Problem zunächst als Angst vor engen Räumen. Im Gespräch zeigt sich jedoch möglicherweise, dass ihn weniger die Größe des Raumes belastet als die Vorstellung, die Situation nicht jederzeit verlassen zu können.

Derselbe innere Zusammenhang kann sich dann auch in einem Tunnel, einem Flugzeug, einer überfüllten Veranstaltung oder bei einer medizinischen Untersuchung zeigen. Für eine gezielte Behandlung ist deshalb wichtig zu verstehen, was der Patient innerhalb der gefürchteten Situation tatsächlich erwartet.

Angst vor Spritzen, Untersuchungen und medizinischen Eingriffen

Manche Ängste werden besonders problematisch, weil sich die gefürchtete Situation nicht dauerhaft vermeiden lässt. Wer starke Angst vor Spritzen, Blutabnahmen, Zahnarztbehandlungen oder bestimmten Untersuchungen hat, verschiebt notwendige Termine möglicherweise immer wieder.

Auch hier können sehr unterschiedliche Befürchtungen beteiligt sein: Angst vor Schmerzen, vor Blut, vor Ohnmacht, vor Kontrollverlust oder vor dem Gefühl, einem anderen Menschen ausgeliefert zu sein. Erst die genaue Betrachtung zeigt, worauf die Angstreaktion tatsächlich gerichtet ist.

Ähnliche Ängste können unterschiedliche Ursachen haben

Zwei Patienten können äußerlich dasselbe Problem beschreiben und dennoch etwas vollkommen Unterschiedliches erleben. Zwei Menschen mit Flugangst fürchten möglicherweise völlig verschiedene Dinge. Ebenso kann hinter einer Prüfungsangst bei einem Patienten die Angst vor einem Blackout stehen, während ein anderer vor allem die Bewertung durch andere Menschen fürchtet.

Deshalb beginnt eine sinnvolle Behandlung nicht mit einem Etikett, sondern mit der Frage, wie die Angst bei diesem konkreten Patienten funktioniert. Welche Situationen lösen sie aus? Welche Gedanken, Bilder und körperlichen Reaktionen treten auf? Was wird vermieden und was befürchtet der Patient, wenn er der Situation nicht ausweichen kann?

Nicht angstfrei um jeden Preis, sondern wieder frei entscheiden

Das Ziel einer Behandlung besteht nicht darin, jede Form von Angst aus dem Leben zu entfernen. Angst gehört zum Menschen und besitzt in vielen Situationen eine wichtige Schutzfunktion. Problematisch wird sie dort, wo sie nicht mehr zur tatsächlichen Situation passt und Entscheidungen zunehmend bestimmt.

Eine erfolgreiche Veränderung zeigt sich deshalb vor allem daran, dass der Patient wieder Wahlmöglichkeiten gewinnt. Er kann eine Prüfung ablegen, eine Reise antreten, einen Fahrstuhl benutzen oder eine notwendige Untersuchung durchführen lassen, ohne dass die Angst bereits im Voraus die Entscheidung für ihn trifft.

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